Ob Feuerzangenbowle, flambierter Crêpe oder ein Flaming Cocktail an der Bar: Brennender Alkohol hat etwas Faszinierendes. Aber hast du dich schon mal gefragt, warum manche Getränke sofort Feuer fangen und andere einfach nicht zünden wollen? Die Antwort steckt in zwei Faktoren: dem Alkoholgehalt und dem sogenannten Flammpunkt. In diesem Artikel erfährst du, ab wann Alkohol tatsächlich brennt, welche Getränke brennbar sind und worauf du bei offenen Flammen unbedingt achten solltest.
Was ist der Flammpunkt und warum ist er so wichtig?
Der Flammpunkt ist die niedrigste Temperatur, bei der eine Flüssigkeit genügend Dämpfe abgibt, um sich an einer offenen Zündquelle zu entzünden. Bei reinem Ethanol (Trinkalkohol) liegt dieser Wert bei etwa 13 Grad Celsius. Das bedeutet: Schon bei normaler Raumtemperatur kann reiner Ethanol Feuer fangen, wenn du ein Streichholz oder Feuerzeug daranhältst.
Wichtig dabei: Nicht die Flüssigkeit selbst brennt, sondern die Alkoholdämpfe über der Oberfläche. Diese Dämpfe vermischen sich mit dem Sauerstoff in der Luft und bilden ein entzündbares Gemisch. Je mehr Alkohol in einem Getränk steckt, desto mehr Dämpfe entstehen und desto leichter lässt es sich anzünden.
Bei verdünntem Alkohol, also bei typischen Getränken wie Bier oder Wein, ist die Dampfentwicklung so gering, dass kein brennbares Gemisch entsteht. Deshalb gilt als Faustregel: Ein Getränk braucht mindestens rund 40 Volumenprozent Alkohol, um bei Raumtemperatur zuverlässig zu brennen.
Welche Getränke brennen und welche nicht?
Nicht jedes alkoholische Getränk lässt sich anzünden. Entscheidend ist der Alkoholgehalt in Volumenprozent (Vol.%). Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über gängige Getränke, ihren typischen Alkoholgehalt und ob sie brennbar sind.
| Getränk | Alkoholgehalt (Vol.%) | Flammpunkt (ca.) | Brennbar? |
|---|---|---|---|
| Bier | 4 bis 6 | nicht anwendbar | Nein |
| Wein | 11 bis 15 | nicht anwendbar | Nein |
| Likör (z. B. Baileys) | 15 bis 25 | nicht anwendbar | Nein |
| Portwein, Sherry | 18 bis 22 | nicht anwendbar | Nein |
| Eierlikör | 14 bis 20 | nicht anwendbar | Nein |
| Cointreau, Grand Marnier | 35 bis 40 | ca. 26 Grad C | Bedingt (bei Erwärmung) |
| Wodka | 40 | ca. 26 Grad C | Ja |
| Rum (Standard) | 40 bis 50 | ca. 22 bis 26 Grad C | Ja |
| Whisky | 40 bis 46 | ca. 22 bis 26 Grad C | Ja |
| Absinth | 45 bis 74 | ca. 13 bis 22 Grad C | Ja |
| Stroh Rum (80%) | 80 | ca. 13 Grad C | Ja, sehr leicht |
| Reiner Ethanol (96%) | 96 | ca. 13 Grad C | Ja, extrem leicht |

Du siehst: Alles unter 30 Vol.% ist unter normalen Bedingungen praktisch nicht entzündbar. Ab 40 Vol.% wird es interessant, und je höher der Gehalt, desto schneller und heftiger brennt die Flamme.
Die Rolle der Temperatur beim Entzünden
Neben dem Alkoholgehalt spielt die Temperatur eine zentrale Rolle. Je wärmer ein Getränk ist, desto mehr Dämpfe steigen von der Oberfläche auf. Deshalb lässt sich ein erwärmter Rum deutlich leichter anzünden als ein eiskalter Wodka direkt aus dem Gefrierfach.
Konkret heißt das: Ein Getränk mit 37 oder 38 Vol.% zündet bei Zimmertemperatur vielleicht nicht, aber wenn du es leicht erwärmst (etwa auf 40 bis 50 Grad Celsius), kann es genug Dämpfe bilden, um kurz eine Flamme zu halten. Das nutzen Barkeeper beim Flambieren: Sie erwärmen die Spirituose im Löffel über einer kleinen Flamme, bevor sie diese anzünden.
Umgekehrt gilt: Kalter Alkohol brennt deutlich schwerer. Wenn du eine Flasche Vodka bei minus 18 Grad aus dem Eisfach holst, wirst du sie selbst mit einem Feuerzeug kaum entzünden können. Die Alkoholdämpfe sind bei dieser Temperatur schlicht zu gering.
Alkohol beim Kochen: Wann verdampft er wirklich?
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: "Der Alkohol kocht doch weg." Tatsächlich stimmt das nur teilweise. Ethanol siedet bei 78,37 Grad Celsius, also deutlich unter dem Siedepunkt von Wasser (100 Grad Celsius). Wenn du also eine Soße mit Wein ablöschst, beginnt der Alkohol vor dem Wasser zu verdampfen.
Aber: Ganz so einfach ist es nicht. Alkohol und Wasser bilden ein Gemisch, und in einem solchen Gemisch verdampft der Alkohol langsamer, als du vielleicht denkst. Studien zeigen, dass selbst nach 30 Minuten Kochzeit noch etwa 35 Prozent des ursprünglichen Alkohols im Gericht vorhanden sein können. Erst nach zwei bis drei Stunden Schmoren sinkt der Restgehalt auf unter 5 Prozent.
Das ist besonders relevant, wenn du für Kinder, Schwangere oder Menschen kochst, die aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen keinen Alkohol konsumieren. Beim Flambieren, wo die Flamme nur kurz über dem Gericht steht, bleibt sogar noch mehr Alkohol erhalten, da die Brenndauer zu kurz ist, um einen Großteil zu verdampfen.
Hier eine Orientierung, wie viel Alkohol nach verschiedener Garzeit ungefähr übrig bleibt:
| Zubereitungsart | Garzeit | Restalkohol (ca.) |
|---|---|---|
| Flambieren | wenige Sekunden | 75 bis 80 % |
| Kurz aufkochen, ohne Deckel | 5 Minuten | 60 bis 70 % |
| Köcheln ohne Deckel | 15 Minuten | 40 bis 50 % |
| Köcheln ohne Deckel | 30 Minuten | 30 bis 40 % |
| Schmoren mit Deckel | 1 Stunde | 20 bis 25 % |
| Schmoren mit Deckel | 2 Stunden | 5 bis 10 % |
| Langes Schmoren | 3 Stunden+ | unter 5 % |
Sicherheitshinweise: So gehst du mit brennendem Alkohol richtig um
Brennender Alkohol sieht spektakulär aus, kann aber schnell gefährlich werden. Wenn du zu Hause flambierst oder mit Feuer experimentierst, halte dich an folgende Regeln.
Verwende ausschließlich hitzebeständige Gefäße aus Metall oder feuerfestem Glas. Normales Trinkglas kann bei plötzlicher Hitze springen. Entzünde Alkohol niemals direkt aus der Flasche. Gieße immer eine kleine Menge in ein separates Gefäß. Der Flammenrückschlag in eine offene Flasche kann zu einer unkontrollierten Stichflamme führen.
Halte immer einen Deckel oder ein feuchtes Tuch bereit. Die einfachste Methode, eine Alkoholflamme zu löschen, ist Sauerstoffentzug. Lege den Deckel auf das Gefäß und die Flamme erlischt innerhalb weniger Sekunden. Lösche brennenden Alkohol niemals mit Wasser. Das kann dazu führen, dass sich die brennende Flüssigkeit verteilt und das Feuer ausbreitet.
Sorge für ausreichend Abstand zu brennbaren Materialien wie Vorhängen, Küchenrollen oder Holzoberflächen. Flambiere nicht unter einem Dunstabzug, da sich dort Fettablagerungen befinden können, die sich entzünden könnten. Und ganz wichtig: Lass Kinder niemals mit brennendem Alkohol hantieren und arbeite selbst nur in nüchternem Zustand mit offenem Feuer.
Zusammenfassung: Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
Alkohol brennt nicht einfach so. Es sind die Ethanol Dämpfe über der Flüssigkeit, die sich entzünden. Der Flammpunkt von reinem Ethanol liegt bei circa 13 Grad Celsius, aber in Getränken ist der Alkohol mit Wasser verdünnt. Deshalb braucht es mindestens rund 40 Vol.%, damit ein Getränk bei Raumtemperatur zuverlässig Feuer fängt. Wärme erleichtert das Entzünden, Kälte erschwert es. Und beim Kochen verschwindet der Alkohol deutlich langsamer, als viele glauben.
Wenn du mit Feuer und Alkohol arbeitest, sei vorsichtig, bereite dich vor und unterschätze niemals die Kraft einer Alkoholflamme.





